1.1 · Drehmoment
Für eine tangentiale Kraft am Hebelarm r:
Einheit:
Drehmoment ist ein Moment. Ein hoher Nm-Wert allein sagt noch nicht, wie viel mechanische Arbeit pro Zeit umgesetzt wird.
Von der rotierenden Maschine zur Zugkraft am Reifen
Drehmoment beschreibt die rotatorische Kraftwirkung. Drehzahl beschreibt, wie schnell sich das System bewegt. Leistung verbindet beides zur Rate mechanischer Arbeit. Modul 06 verfolgt diese Größen vom Motor über Übersetzung und Rad bis zur Zugkraftreserve des Fahrzeugs.
Kapitel 01 setzt die Grundgrößen; Kapitel 02 öffnet M(n) und P(n); Kapitel 03 quantifiziert das Powerband; Kapitel 04 transformiert Drehzahl und Moment über die Übersetzung; Kapitel 05 führt das Radgruppenmoment bis zur quasi-statischen Zugkraftgrenze; Kapitel 06 verbindet Zugkraft und Fahrzeuggeschwindigkeit zur Rad-/Straßenleistung; Kapitel 07 stellt Roll-, Steigungs- und Luftwiderstand als Bedarf gegenüber; Kapitel 08 bildet daraus Kraft-, Leistungs- und Beschleunigungsreserve; Kapitel 09 zerlegt die Idealhülle in reale Gangsegmente und bestimmt Schaltpunkte über Radkraft bzw. Beschleunigung; Kapitel 10 schließt Quelle, Gang, Reifen, Fahrwiderstand, Reserve und Trägheit zur gemeinsamen Systemansicht.
Modulübersicht
Die zehn Kapitel folgen dem realen Energie- und Kraftpfad: Maschine → Übersetzung → Rad → Straße → Fahrwiderstand → Reserve.
Grundgrößen, Einheiten, Arbeit und gleiche Leistung bei unterschiedlichen M/n-Kombinationen.
Kapitel 01 · aktivWarum P(n) aus M(n) folgt, Peak Torque ≠ Peak Power und wie die Drehmomentsteigung die Leistung bestimmt.
Kapitel 02 · aktivPeak Power, mittlere Leistung im gewählten Drehzahlfenster, High-Power-Coverage und Equal-Peak-Vergleich.
Kapitel 03 · aktivDrehzahl gegen Drehmoment: ideal leistungsneutral, real mit Wirkungsgrad und Verlustleistung.
Kapitel 04 · aktivMotormoment → Gesamtübersetzung → Radgruppenmoment → Kraftanforderung → Reifenlimit.
Kapitel 05 · aktivP = Fv, Leistungsgrenze F = P/v und Übergang zwischen Moment-, Kraftschluss- und Leistungsbegrenzung.
Kapitel 06 · aktivRoll-, Steigungs- und Luftwiderstand als signierter Kraft- und Leistungsbedarf.
Kapitel 07 · aktivQuellenreserve, Fahrzeug-Exzessleistung, Zugkraftreserve und Beschleunigungsspanne am Betriebspunkt.
Kapitel 08 · aktivGangfenster, Radkraft, reflektierte Trägheit und Beschleunigungs-Schaltpunkt.
Kapitel 09 · aktivQuelle, Gang, Reifen, Fahrwiderstand, Reserve und Trägheit als geschlossenes Fahrzeugsystem.
Kapitel 10 · aktivKapitel 01 · 1.1 · Grundgrößen
Die drei Größen M, n und P dürfen nicht synonym verwendet werden. Ihre Beziehung ist einfach – ihre physikalische Bedeutung verschieden.
Für eine tangentiale Kraft am Hebelarm r:
Einheit:
Drehmoment ist ein Moment. Ein hoher Nm-Wert allein sagt noch nicht, wie viel mechanische Arbeit pro Zeit umgesetzt wird.
Mit n in min⁻¹ und ω in rad/s. 6.000 rpm entsprechen rund 628 rad/s.
Bei konstantem M steigt P proportional mit n.
Bei konstantem M und ω gilt über die Zeit t: W = P t.
Mehr Drehzahl erlaubt bei gleicher Leistung weniger Drehmoment – und umgekehrt. Genau diese Tauschbeziehung nutzt später das Getriebe.
Kapitel 01 · Interaktives M/n/P-Labor
Das Labor berechnet Moment, Winkelgeschwindigkeit, Leistung, Arbeit und eine gleichleistende Vergleichskombination bei anderer Drehzahl.
Kapitel 01 · Cross-References
Kapitel 01 ist die energetische Baseline für alle folgenden Powertrain-Kapitel.
M = Iα beschreibt die Dynamik, E_rot = ½Iω² die gespeicherte Bewegungsenergie.
Die Leistungskurve ist keine zweite unabhängige Motorkurve; sie folgt aus Drehmoment und Drehzahl.
Übersetzung tauscht Drehmoment gegen Drehzahl. Leistung wird ideal nicht vervielfacht.
Leistungsreserve wird später als verfügbare minus benötigte Leistung am konkreten Betriebspunkt definiert.
Kapitel 02 · Drehmoment- & Leistungskurve
Ist die Drehmomentkennlinie M(n) bekannt, folgt die Leistung an jedem Betriebspunkt zwingend aus P(n)=M(n)·2πn/60. Peak Torque und Peak Power können deshalb weit auseinanderliegen.
Für jede Drehzahl gilt:
Drehmoment und Leistung dürfen daher nicht unabhängig voneinander „gezeichnet“ oder interpretiert werden. Eine Änderung von M(n) ändert unmittelbar P(n).
Das Drehmoment darf also bereits fallen und die Leistung trotzdem noch steigen. Ein inneres glattes Leistungsmaximum liegt dort, wo der relative Momentenabfall groß genug wird. Liegt das größte P am Drehzahlrand, ist keine stationäre Bedingung dP/dω = 0 erforderlich.
Eine ideale Konstantleistungszone erfüllt näherungsweise M ∝ 1/ω. Das wird später beim Vergleich von Verbrenner und E-Motor besonders anschaulich.
Kapitel 02 · Kennlinienlogik
Die schematische Grafik zeigt drei Bereiche: steigendes Moment, fallendes Moment bei noch steigender Leistung und schließlich fallende Leistung.
Kapitel 02 · Interaktives Kennlinien-Labor
Sechs Drehmomentstützstellen definieren eine transparente stückweise lineare Kennlinie. Die Leistung wird punktweise daraus berechnet; Peak Torque und Peak Power werden numerisch bestimmt.
Kapitel 02 · Cross-References
Peak Power allein sagt noch nicht, wie viel Leistung über den nutzbaren Drehzahlbereich verfügbar ist.
Aus P(n) werden mittlere Leistung, nutzbares Band und eine normierte Powerband-Ausnutzung abgeleitet.
Später zählt nicht „am Drehmomentmaximum schalten“, sondern welche Radzugkraft vor und nach dem Gangwechsel verfügbar ist.
Kapitel 03 · Powerband & Leistungsverteilung
Zwei Motoren können dieselbe Spitzenleistung besitzen und dennoch über das nutzbare Drehzahlband sehr unterschiedliche Leistung bereitstellen. Kapitel 03 quantifiziert diese Verteilung ohne sie mit Energie oder Beschleunigung gleichzusetzen.
Für ein frei gewähltes nutzbares Band [n₁,n₂] definieren wir:
ηPB ist eine Kompendium-Lehrmetrik: Sie beschreibt, welcher Anteil der Spitzenleistung im Mittel über das gewählte Drehzahlfenster verfügbar ist.
Mit frei gewähltem λ – beispielsweise 0,90 – lässt sich der Anteil des Drehzahlfensters bestimmen, in dem mindestens 90 % der Spitzenleistung anliegen.
Wie lange ein Fahrzeug bei einer Drehzahl bleibt, hängt von Gangübersetzung, Fahrzeugmasse, Fahrwiderständen und Schaltstrategie ab. Kapitel 09 transformiert die Motorkennlinie deshalb erst später in Radzugkraft über Geschwindigkeit.
Kapitel 03 · Equal-Peak-Logik
Die schematische Grafik normiert zwei Leistungskurven auf denselben Peak. Entscheidend ist die mittlere Kurvenhöhe im gewählten Drehzahlfenster – bei gleicher Fensterbreite äquivalent zur eingeschlossenen Fläche – nicht die Höhe des einzelnen Spitzenpunkts allein.
Kapitel 03 · Interaktives Powerband-Labor
Die Profile werden über die gemeinsame normierte Drehzahl x = n/nmax aus transparenten Drehmoment-Stützstellen erzeugt. Für identisches nmax gilt zunächst P̃(x) ∝ M(x)·x; anschließend wird jedes Profil auf dieselbe Ziel-Peak-Leistung normiert. So bleibt nur die Form der Leistungsverteilung als Vergleichsgröße übrig.
Kapitel 03 · Cross-References
Kapitel 03 bewertet die Motorseite. Kapitel 04–06 transformieren anschließend Drehzahl, Moment und Leistung zum Rad.
Das Getriebe bestimmt, welchen Abschnitt des Powerbands das Fahrzeug bei einer gegebenen Geschwindigkeit nutzt.
Erst mit den Zugkraftkurven der einzelnen Gänge lässt sich beantworten, wann das Verlassen eines Powerbands durch einen Gangwechsel sinnvoll wird.
Kapitel 04 · 4.1 · Übersetzungsdefinition
Die Übersetzung ordnet zwei Winkelgeschwindigkeiten einander zu. Für dieses Modul wird der Übersetzungsbetrag positiv definiert; Drehrichtungsumkehr und Getriebetopologie werden separat beschrieben.
Für ein einfaches äußeres Zahnradpaar gilt zusätzlich geometrisch:
Die beiden Zahnräder drehen dabei entgegengesetzt. Bei Planetengetrieben, Riemen-, Ketten- oder mehrstufigen Systemen hängt die Drehrichtung von der Topologie ab; deshalb ist das Vorzeichen nicht Bestandteil unseres Übersetzungsbetrags.
Kapitel 04 · 4.2 · Leistung & Wirkungsgrad
Aus P=Mω folgt unmittelbar die Drehmomenttransformation. Ein Getriebe erzeugt keine mechanische Leistung; im realen Betrieb reduziert der Wirkungsgrad die Ausgangsleistung.
Weil ωout=ωin/i gilt, muss das Ausgangsmoment ideal um denselben Faktor steigen.
η wird hier als Betriebspunkt-Wirkungsgrad für die betrachtete Leistungsflussrichtung verstanden. Beim Backdrive/Rekuperieren kann ein anderer Wirkungsgrad gelten.
Für seriell durchflossene Stufen folgt der Gesamtwirkungsgrad exakt als Produkt der jeweiligen Betriebspunkt-Wirkungsgrade. Diese Einzelwirkungsgrade selbst hängen real von Last, Drehzahl, Temperatur, Schmierung und Bauart ab.
Auch hier bleibt im Ideal P konstant. Das Getriebe „verliert“ kein Drehmoment – es transformiert Moment und Drehzahl gekoppelt.
Kapitel 04 · Interaktives Übersetzungs-Labor
Das Labor verwendet konstante Betriebspunkt-Wirkungsgrade. Es zeigt getrennt die ideale Transformation und den realen Ausgang nach zwei optionalen Stufen.
Kapitel 04 · 4.3 · Cross-References
Damit verbindet Kapitel 04 die Motorseite aus Kapitel 01–03 mit der späteren Radkraft und gleichzeitig mit der Rotationsmechanik aus Modul 01.
Die Quadratskalierung folgt direkt aus der Gleichheit der Rotationsenergie bei ωout=ωin/i.
Die Übersetzung bestimmt, welcher Abschnitt der Motorleistungskennlinie bei einer gegebenen Ausgangsdrehzahl genutzt wird.
Kapitel 05 ergänzt den Krafthebelarm RF und den Reifen-Kraftschluss: aus dem aggregierten Radgruppenmoment wird zunächst eine quasi-statische Kraftanforderung am Kontaktpatch.
Mehrere diskrete i-Werte erzeugen mehrere Zugkraftkurven. Der optimale Schaltpunkt ergibt sich erst aus ihrem Vergleich.
Kapitel 05 · 5.1 · Vom Motormoment zur Radgruppe
Kapitel 04 definiert die generische Übersetzung. Kapitel 05 instanziiert sie als Gang- und Final-Drive-Pfad, aggregiert das angebotene Moment an der angetriebenen Radgruppe und führt es über den Krafthebelarm bis zur longitudinalen Reifen-Schnittstelle weiter.
Mdrv,total bezeichnet die Summe der an allen betrachteten angetriebenen Rädern angebotenen Momente nach Gang, Final Drive und den bereits in ηdriveline zusammengefassten Verlusten. Es ist bewusst kein einzelnes „Achsmoment“ und bleibt damit auch für eine aggregierte AWD-Lehrbetrachtung eindeutig.
Bei symmetrischer Verteilung auf Ndrv angetriebene Räder:
Kapitel 05 · 5.2 · Krafthebelarm
Beim starren Rad fallen geometrischer Radius, Rollradius und Krafthebelarm zusammen. Beim deformierbaren Luftreifen sollten diese Rollen begrifflich getrennt werden.
RF ist im ebenen Lehrmodell der wirksame Momentenarm der longitudinalen Kontaktkraft um die Radachse; geometrisch liegt er näher an der belasteten Nabenhöhe als an einer rein kinematischen Rollradiusdefinition. Er ist hier eine bewusst eingeführte Modellgröße, kein universell standardisierter Reifenparameter.
Re ist primär die kinematische Größe für Umfangsgeschwindigkeit und Schlupfdefinition. Modul 05 verwendet Re in seinem Longitudinal-Slip-Labor zusätzlich als vereinfachten Kontaktmoment-Hebelarm; Kapitel 05 verfeinert diese Näherung, indem RF für die mechanische Momentenbilanz separat geführt wird.
Kapitel 05 · 5.3 · Reifenlimit
Für die Systemschnittstelle unterscheiden wir daher eine quasi-statische Powertrain-Kraftanforderung Fx,pt,qs, die Reifen-Kapazität und die tatsächliche dynamische Reifenreaktion Fx. Ein einfaches Kraftschlusslimit dient nur als transparente Baseline; die vollständige Reifenphysik bleibt in Modul 05.
Fz,drv ist die gesamte Normallast der betrachteten angetriebenen Radgruppe. Der Proxy ignoriert Combined Slip, Load Sensitivity, Temperatur, Druck und transiente Reifenkräfte.
Ist μreq,qs größer als der aktuell verfügbare effektive longitudinale Kraftschluss, kann das angebotene Antriebsmoment selbst quasi-statisch nicht vollständig als Straßenkraft erscheinen.
Mdrv,total ist bereits ein Moment nach dem lumped Wirkungsgrad ηdriveline; ein pauschales Verlustmoment würde diese Verluste doppelt zählen. Die Gleichung zeigt zugleich, warum Fx,qs,bound keine dynamische „Actual“-Kraft ist: auch ohne Wheelspin benötigt die Winkelbeschleunigung der rotierenden Massen Moment. Bei Kraftschlussbegrenzung kann zusätzlich ein Momentenüberschuss Wheelspin treiben oder durch Traktionsregelung reduziert werden.
Das Labor verteilt das aggregierte Radgruppenmoment und die angetriebene Normallast symmetrisch auf Ndrv Räder mit gleichem RF. Bei festem Fz,drv und gleichem μ bleibt die Gesamtgrenze μFz,drv deshalb gleich. Ein AWD-Vorteil entsteht erst, wenn dadurch mehr bzw. günstiger verteilte Fahrzeugnormallast angetrieben wird. Offene, gesperrte oder aktive Differentiale und ungleiche Radlasten sind separat zu betrachten.
Kapitel 05 · Interaktives Radmoment-/Zugkraft-Labor
Das Labor verfolgt Motormoment über Gang, Final Drive und Wirkungsgrad bis zur angetriebenen Radgruppe und vergleicht die resultierende Kraftanforderung mit einem explizit vereinfachten Reifenlimit.
Kapitel 05 · Cross-References
Ab hier darf „mehr Radgruppenmoment“ nicht mehr automatisch mit „mehr Fahrzeugkraft“ gleichgesetzt werden.
κ, Fz, Combined Slip, Zustand und Relaxation bestimmen, wie viel der Kraftanforderung tatsächlich in Fx umgesetzt wird.
Die Differenz aus Antriebsmoment und Reifenreaktionsmoment beeinflusst über Jω̇ die Raddrehzahl und damit wiederum κ.
Kapitel 06 verbindet anschließend die tatsächlich übertragene Reifen-Zugkraft Fx mit der Straßenleistung Proad=Fxv; die Wellenleistung am Rad bleibt davon als Mω-Größe getrennt. Die Kapitel-05-Grenze bleibt ausdrücklich nur eine quasi-statische Baseline.
Jeder Gang erzeugt eine andere Fx,demand(v)-Kurve; der Reifen kann deren obere Bereiche zusätzlich beschneiden.
Kapitel 06 · 6.1 · Radleistung & Translation
Kapitel 05 hat die mechanische Kraftanforderung und das Kraftschlusslimit getrennt. Kapitel 06 ergänzt nun die translatorische Energierate: Erst eine Kraft, die sich mit Geschwindigkeit durch den Raum bewegt, überträgt Straßenleistung.
Bei vorwärtsgerichteter Zugkraft und Fahrzeuggeschwindigkeit ist die übertragene Straßenleistung positiv. Bei v = 0 ist Proad = 0 – auch wenn am Rad ein hohes Antriebsmoment anliegt.
Kapitel 06 · 6.2 · Kraft-Hüllkurve
Die gleiche Antriebsleistung kann bei niedriger Geschwindigkeit nicht beliebig große Kraft erzeugen und bei hoher Geschwindigkeit nicht dieselbe Kraft halten.
Bei festem Radgruppenmoment und Krafthebelarm ist die daraus resultierende quasi-statische Kraftgrenze zunächst geschwindigkeitsunabhängig.
Diese Lehrgrenze bleibt hier ebenfalls konstant; reale Last-, Slip-, Temperatur- und Combined-Slip-Effekte liegen in Modul 05.
Bei konstanter verfügbarer Radleistung fällt die maximal mögliche Kraft hyperbolisch mit der Geschwindigkeit.
Das ist eine transparente Grenzkurve – noch keine vollständige Fahrbeschleunigung. Fahrwiderstände kommen erst in Kapitel 07 hinzu.
Kapitel 06 · 6.3 · Rotations- vs. Straßenleistung
Kapitel 05 hat Raddynamik und Reifenreaktion bewusst offen gehalten. Kapitel 06 macht deshalb die Leistungsbilanz explizit statt Mω und Fv pauschal gleichzusetzen.
Die Summenform ist allgemein. Die rechte Näherung setzt einen gemeinsamen repräsentativen Rad-/Fahrzeugzustand voraus. Beschleunigen Räder unterschiedlich, entsteht Slip oder werden Reifen elastisch/thermisch belastet, muss die Differenz nicht null sein.
Kapitel 06 · Interaktives Kraft-/Leistungs-Hüllkurvenlabor
Das Labor kombiniert eine konstante Momentkraftgrenze, eine konstante Kraftschlussgrenze und eine konstante verfügbare Radleistung zu einer transparenten quasi-statischen Zugkraft-Hüllkurve.
Kapitel 06 · Cross-References
Damit ist die energetische Basis für Fahrwiderstände und Leistungsreserve vorbereitet.
Mdrv,total/RF liefert die quasi-statische Powertrain-Kraftgrenze; der Reifen kann sie weiter begrenzen.
Roll-, Steigungs- und Luftwiderstand erzeugen Freq(v) und damit Preq(v)=Freqv.
Erst mit Pavail,qs=Favail,qsv und Preq kann eine betriebspunktbezogene Fahrzeug-Leistungsreserve definiert werden.
Reale Gänge verschieben die Momentgrenze und den nutzbaren Motor-Drehzahlbereich; die ideale Konstantleistungs-Hyperbel wird dadurch segmentiert.
Kapitel 07 · 7.1 · Fahrwiderstände
Kapitel 06 hat die Angebotsseite geschlossen. Kapitel 07 beschreibt die Gegenkraft des Fahrzustands: Reifenverluste, Hangabtrieb und Aerodynamik.
Für Vorwärtsfahrt ist positiver Widerstand entgegen der Fahrtrichtung als positive Leistungsanforderung definiert. Ein hinreichend starkes Gefälle kann Fgrade<0 und damit auch Preq<0 erzeugen.
Kapitel 07 · 7.2 · Widerstandskomponenten
Die bekannten Kurzformeln gelten nur innerhalb klarer Modellgrenzen. Besonders Aerodynamik muss zwischen Luft- und Bodengeschwindigkeit unterscheiden.
Im einfachen Modell ist Froll geschwindigkeitsunabhängig und Proll damit proportional zu v. Reale Reifen zeigen zusätzliche Geschwindigkeits-, Temperatur-, Last- und Druckabhängigkeiten.
Positive Steigung erzeugt Leistungsbedarf, negative Steigung liefert potentielle Leistung zurück.
Ein positiver Windwert bezeichnet Gegenwind. Die signierte Form erlaubt auch starken Rückenwind, bei dem die Luftkraft theoretisch vortriebsfördernd werden kann.
Mit Wind bleibt die Luftkraft quadratisch in vrel, aber die mechanische Leistungsübertragung am Fahrzeug ist FD·v und daher nicht einfach vrel³.
Kapitel 07 · 7.3 · Systemgrafik
Die Grafik trennt konstante bzw. langsam veränderliche Kraftanteile von der stark geschwindigkeitsabhängigen Aerodynamik.
Kapitel 07 · Interaktives Fahrwiderstands-Labor
Das Labor rechnet mit Bodengeschwindigkeit, Straßensteigung und relativer Luftgeschwindigkeit. Damit bleiben Gegenwind und Gefälle physikalisch voneinander getrennt.
Kapitel 07 · Cross-References
Damit sind Angebot und Bedarf erstmals im selben Kraft-/Leistungsraum definiert.
Favail,qs(v) und Pavail,qs(v)=Favail,qs(v)v bilden die fahrzeugseitige Angebotsseite.
ΔPexcess,qs(v)=Pavail,qs(v)-Preq(v) ist damit dimensions- und betriebspunktkorrekt definiert.
Crr ist hier nur die makroskopische Rollverlustbaseline; Kapitel 09 von Modul 05 erklärt Hysterese und Energiehistorie detaillierter.
CDA, ρ und relative Anströmung werden dort geometrisch und strömungsmechanisch weiter zerlegt.
Kapitel 08 · 8.1 · Reservebegriff
Kapitel 06 liefert die verfügbare Kraft-/Leistungshülle, Kapitel 07 den Fahrwiderstand. Erst auf derselben Fahrzeuggeschwindigkeit dürfen Angebot und Bedarf subtrahiert werden.
Quellenreserve beschreibt zusätzlichen Leistungsabruf an derselben Quellendrehzahl und ist noch keine Fahrzeugbeschleunigung:
Die Fahrzeugreserve verwendet dagegen die verfügbare QS-Hülle aus Kapitel 06 und den Straßenbedarf aus Kapitel 07:
Kapitel 08 · 8.2 · Vorzeichen & Gleichgewicht
Die Reserve ist signiert. Ihr Vorzeichen beschreibt nicht „gut“ oder „schlecht“, sondern die lokale Längsdynamik bei maximal verfügbarer positiver Antriebshülle.
Bei unverändertem Fahrzustand steht zusätzliche Vortriebskraft für eine Beschleunigung zur Verfügung.
Die verfügbare Hüllkraft entspricht dem Fahrwiderstand. Das ist ein stationärer Punkt des Lehrmodells – nicht automatisch die reale Höchstgeschwindigkeit.
Selbst die verfügbare positive Antriebshülle reicht nicht aus, um den aktuellen Zustand stationär zu halten. Bei Vollanforderung folgt eine Verzögerung.
Ein negativer Straßenbedarf erhöht die Fahrzeug-Exzessleistung, ist aber keine zusätzliche Motorreserve. Die Energie stammt aus dem Fahrzustand bzw. der potentiellen Energie.
Kapitel 08 · 8.3 · Effektive Masse
Die Rotationsanteile aus Modul 01 werden auf die Radachse reflektiert und über den kinematischen Radius Re in eine äquivalente translatorische Masse überführt.
Jeq,w muss alle betrachteten rotierenden Trägheiten bereits auf die Radachse reflektiert enthalten. Eingangsträgheiten ändern daher ihren radseitigen Beitrag mit dem Quadrat der Übersetzung.
Kapitel 08 · 8.4 · Systemgrafik
Die Grafik hält Quellenlimit, Straßenbedarf und dynamische Umsetzung getrennt.
Kapitel 08 · Interaktives Reserve-Labor
Das Labor kombiniert die Lehrhülle aus Kapitel 06 mit einer windstillen Fahrwiderstandsbaseline aus Kapitel 07. Es ist ein lokaler QS-Snapshot, kein vollständiger Beschleunigungssimulator.
Kapitel 08 · Cross-References
Die Reserve ist jetzt definiert, aber die verfügbare Hülle ist noch nicht aus realen Gängen und der M(n)-Kennlinie zusammengesetzt.
Favail,qs(v)=min(FM,Fμ,FP) liefert die obere Kraftseite.
Freq(v) und Preq(v) liefern die signierte Straßenlast.
Radseitig reflektierte Rotationsenergie erhöht meff und reduziert bei gleicher ΔF die Beschleunigung.
Jeder Gang erzeugt ein eigenes Favail,g(v)-Segment und verändert zugleich reflektierte Eingangsträgheiten.
Kapitel 09 · Gangwahl & Beschleunigung
Kapitel 09 ersetzt die ideale Kraft-/Leistungshülle durch konkrete Gangsegmente. Entscheidend ist nicht das Motordrehmoment allein, sondern welche Radkraft und welche Beschleunigung nach Übersetzung, Reifenlimit, Fahrwiderstand und reflektierter Trägheit bei derselben Fahrzeuggeschwindigkeit verfügbar sind.
Für starre Kopplung, vernachlässigten Longitudinal-Slip und den kinematischen Radius Re:
Ein Gang ist nur dort gültig, wo die resultierende Motordrehzahl innerhalb des modellierten Kennlinienfensters liegt.
Kapitel 09 · 9.2 · Schaltkriterium
Der verbreitete Merksatz „am Drehmomentmaximum schalten“ ignoriert Übersetzung und die Drehzahl nach dem Gangwechsel.
Bei gleichen Verlustannahmen und identischem Fahrwiderstand liegt der Radkraft-Schaltpunkt dort, wo der Folgegang mehr Radkraft liefert.
Solange der aktuelle Gang mehr Radkraft liefert, beschleunigt er in dieser vereinfachten Sicht stärker.
Eine Eingangsträgheit Jin wird mit itot,g² auf die Radseite reflektiert:
Dann ist der präzisere momentane Schaltpunkt durch ag=ag+1 gegeben. Sind beide Gänge am selben Reifenlimit, kann der höhere Gang trotz gleicher Fx wegen geringerer reflektierter Eingangsträgheit bereits eine etwas höhere Beschleunigung liefern.
Bei gleicher Fahrzeuggeschwindigkeit ist ig proportional zur Motordrehzahl. Ohne zusätzliche Limits ist Radkraft deshalb eng mit der im jeweiligen Drehzahlpunkt verfügbaren Leistung verknüpft.
Für RF=Re fallen beide Pfade im verlustbehafteten starren Snapshot zusammen. Bei getrennten Radien bleibt FP,g die explizite Energieobergrenze.
Schaltzeit, Zugkraftunterbrechung, unterschiedliche Gangwirkungsgrade, Drehmomentmanagement, Reifen-Relaxation und post-shift Transienten können einen praktisch optimalen Schaltpunkt verschieben.
Kapitel 09 · 9.3 · Gangfenster
Die Systemgrafik hält Kinematik, Kraftangebot, Fahrwiderstand und gangabhängige Trägheit als getrennte Pfade sichtbar.
Kapitel 09 · Interaktives Gang-/Beschleunigungslabor
Das Labor projiziert ein transparentes Lehr-M(n)-Profil über fünf Gänge in den Geschwindigkeitsraum. Reifenlimit, Fahrwiderstand und gangabhängig reflektierte Eingangsträgheit bleiben separat sichtbar.
Kapitel 09 · Cross-References
Damit ist die letzte große offene Teilkette vor der Systemintegration geschlossen.
M(n) und P(n) bestimmen, welche Leistung nach dem Hochschalten im neuen Drehzahlpunkt verfügbar ist.
igiD transformiert Motormoment in Radgruppenmoment; RF bildet dieses auf die Kraftanforderung ab.
Freq reduziert die Radkraft zur Beschleunigungsreserve; meff,g übersetzt diese in ag.
Das Kraftschlusslimit beschneidet insbesondere niedrige Gänge; gleiche Reifenlimite in zwei Gängen sind kein Grund zum sofortigen Hochschalten – erst der Beschleunigungsvergleich entscheidet.
Kapitel 10 · Systemintegration
Kapitel 10 integriert Quelle, Kennlinie, Gang, Wirkungsgrad, Radgruppe, Reifenlimit, Fahrwiderstand, reflektierte Trägheit und Beschleunigungsreserve. Die Einzelgleichungen bleiben dieselben; neu ist ihre konsistente Kopplung am selben Betriebspunkt.
Für einen gegebenen Betriebspunkt (v,g):
Die Kette ist nur dann physikalisch konsistent, wenn alle Größen auf denselben Geschwindigkeits-, Gang- und Umweltzustand bezogen sind.
Mit FP,cmd=ηPsrc,cmd/v für v>0. Die maximale Reserve wird gegen Maximalverfügbarkeit gebildet; der aktuelle Quellenbefehl kann deutlich darunter liegen.
Der Explorer verwendet weiterhin den transparenten Kraftschlussproxy Fμ. Modul 05 schließt die dynamische Rückkopplung über κ und den Reifenzustand.
Der Krafthebelarm RF bleibt vom kinematischen Radius Re getrennt. Re gehört hier zur Energie-/Trägheitsabbildung.
Nach Anwendung von η wird kein zusätzliches pauschales Getriebeverlustmoment abgezogen. Reifenverluste, Schlupfenergie und Nebenaggregate sind separate Pfade.
Kapitel 10 · System-Explorer
Der Explorer verwendet eine transparente Broad-Torque-Kennlinie und feste Getriebeparameter. Betriebspunkt, Gang, Quellenbefehl, Kraftschluss und Straße werden variiert; Maximalreserve und aktueller Zustand bleiben getrennt.
Kapitel 10 · Cross-References & Modellgrenzen
Der Explorer integriert alle Kapitel des Moduls, ohne aus transparenten Lehrrelationen eine scheinbar hochpräzise Fahrzeugsimulation zu machen.
J, ω und reflektierte Eingangsträgheit bestimmen zusammen mit dem Gang die dynamische Zusatzmasse.
Fμ ist nur eine Kapazitätsbaseline. Reale Fx-Entstehung ist transient, last-, temperatur-, druck- und slipabhängig.
Kapitel 07/10 verwenden den einfachen Widerstandsterm. Aero-Balance, Ride Height, Yaw und Downforce gehören in das spätere Aerodynamikmodul.
n, v und Gang sind messbar; μ, reale Reifenkräfte, Verluste und Reserven müssen häufig geschätzt oder modellbasiert inferiert werden.
Modulstand · Revision 1.9.2
Kapitel 01–10 bilden eine konsistente Kette aus Grundgrößen, Kennlinie, Powerband, Übersetzung, Radgruppe, Reifenlimit, Radleistung, Fahrwiderstand, Reserve, Gangwahl und Systemintegration.