Schmierung ist ein gekoppeltes System

Modul 02Powertrain & LubricationRevision 1.7.2Status Kapitel 01–05 aktiv · Modul abgeschlossen

Vom Stoff zum
System.

Motoröl ist nicht nur ein Stoff mit einer Viskosität. Seine Schutzwirkung entsteht aus Stoffzustand, Rheologie, Schmierregime, chemischer Historie und einer stabilen hydraulischen Versorgung bis zur Lagerstelle.

State → Rheology → Regime → History → Supply

Kapitel 01 beginnt beim Kraftstoffeintrag. Kapitel 02–04 verfolgen daraus Rheologie, Filmzustand und Alterung. Kapitel 05 schließt die Kette mit der Ölversorgung.

Modul 02 · Orientierung

Vom Kraftstoffeintrag zum Schmierstoffsystem

Kapitel 01–05 bilden eine geschlossene Kette vom Stoffeintrag über Rheologie, Schmierregime und Alterung bis zur hydraulischen Versorgung des Motors.

  1. Fuel Dilution & Thermik

    Kaltstart, Stofftransport, Öltemperatur, Austrag, Fahrprofil und Wear-Feedback.

    Aktiv
  2. Schmierregime

    Hydrodynamik, Mischreibung, Grenzreibung und Stribeck-Zusammenhang.

    Aktiv
  3. Viskosität & Temperatur

    ν(T), η(T), SAE, VI, HTHS, CCS und Pumpability als getrennte rheologische Ebenen.

    Aktiv
  4. Ölalterung & Wear

    Oxidation, Nitration, Ruß, Wasser, Additivdepletion, Verschleißmetalle und Historie.

    Aktiv
  5. Ölversorgung

    Pumpe, Druck/Volumenstrom, Filter, Kühlung, Aeration, Wet- und Dry-Sump.

    Aktiv

Modul 02 · Kapitel 01

Fuel Dilution & thermische Historie

Die Baseline des Moduls: Kraftstoff im Öl wird als dynamischer Bestand verstanden. Kaltstart und Ringzone erzeugen Eintrag; Temperatur und PCV bestimmen den Austrag; Ölalterung und mechanischer Verschleiß führen zusätzlich Historie in das System ein.

1.1 Mechanismus1.2 A/B-Labor1.3 Modell & Grenzen1.4 Wear × Fuel Dilution1.5 Praxis & Wartung1.6 Evidenzbasis

Kapitel 01 · 1.1 · Mechanismus

Fünf gekoppelte Zustände

Die Karten trennen den physikalischen Stofftransport von der späteren chemischen Ölalterung.

Kapitel 01 · 1.2 · Interaktiver A/B-Prüfstand

Gleiche Strecke. Andere Historie.

Vergleiche zwei Fahrprofile am selben Motor. Standard: 3 × 5 km gegen 1 × 15 km bei identischer Gesamtstrecke und mittlerer Geschwindigkeit.

Gemeinsame Parameter

Ändert die didaktischen Eintrags- und Austragsparameter, nicht die thermische Motorgeometrie.

5 °C
−151035 °C
4,5 kg
36,510 kg
15 km
550100 km
30 km/h
2060100 km/h
120 min
0120240 min

Während der Pause kühlt das Öl exponentiell gegen die Umgebungstemperatur ab.

1,0×
0,5×1,25×2,0×

Sensitivitätsparameter für Motorgeometrie, Kalibrierung und Zustand. Kein fahrzeugspezifischer Messwert.

Profil A · segmentiert
3
Profil B · Referenz
1

*Der letzte Preset ist bewusst kein Equal-distance-Vergleich und dient nur als thermische Referenz.

Thermische Historie

Öltemperatur

Zeit seit erstem Start
Profil AProfil B80 °C Modellmarke
Stoffbilanz

Kraftstoff im Öl

Masse-% · modelliert
Kaltstarts erzeugen Impulse; mit steigender Öltemperatur nimmt im Modell die Austragsrate zu. Diesel bleibt aufgrund der geringeren Flüchtigkeit länger im Öl.
Irreversibler Anteil

Belastungsindex D*

relative Einheiten
D* ist bewusst kein „Ölleben in %“, sondern ein monotoner Expositionsindex aus Kaltlauf, Kraftstoffverdünnung und Zeit. Er visualisiert: Entgasung ist nicht gleich Regeneration des Öls.

Kapitel 01 · 1.3 · Modell & Grenzen

Mechanistisch, nicht fahrzeugspezifisch

Das Modell ist für Ursache-Wirkungs-Verständnis gebaut. Es soll keine Laboranalyse oder OEM-Kalibrierung vortäuschen.

Systemdynamisches Lehrmodell
dTₒ/dt = (T_eq − Tₒ) / τ_heat

Während der Fahrt nähert sich das Öl einer lastabhängig gedachten Gleichgewichtstemperatur.

dm_F/dt = ṁ_in(Tₒ) − k_out(Tₒ) · m_F

Kraftstoff ist ein Stock. Kaltstart und Kaltlauf speisen ihn; temperaturabhängige Verdampfung leert ihn.

w_F = m_F / (m_Öl + m_F)

Aus dem Kraftstoffbestand wird die angezeigte Massenkonzentration berechnet.

dD*/dt ≥ 0

Der relative Belastungsindex besitzt Gedächtnis und läuft beim späteren Ausdampfen nicht zurück.

Aktive Modellparameter des gewählten Kraftstoff-/Einspritzsystems
ParameterWertFunktion

Kapitel 01 · 1.4 · Rückkopplung

Wear × Fuel Dilution

Verschleiß ist nicht nur Folge eines belasteten Schmierstoffs. Veränderungen im Brennraum–Ringpaket–Zylinderlaufbahn-System können wiederum Blow-by und Stofftransport begünstigen und damit den Kraftstoffeintrag erhöhen.

Kapitel 01 · 1.5 · Transfer in die Praxis

Kilometer sind nur ein Proxy

Die thermische Historie erklärt, warum gleiche Kilometerleistungen sehr unterschiedliche Ölzustände erzeugen können.

01 · BENZIN

Kurzstrecken akkumulieren

Mehr Kaltstarts pro 100 km bedeuten mehr Warmlaufphasen und Wandfilmereignisse. Eine längere Warmphase kann leichtflüchtige Benzinanteile anschließend deutlich reduzieren.

02 · DIESEL

Persistenter + DPF

Dieselkraftstoff ist weniger flüchtig. Späte Postinjektion zur DPF-Regeneration kann einen zusätzlichen Eintragspfad erzeugen; abgebrochene Regenerationen verschlechtern das Fahrprofil weiter.

03 · WARTUNG

Thermische Zyklen zählen

Ein starrer Kilometerwert ignoriert Startzahl, Kaltlaufzeit, Warmhaltezeit, Ruß, Wasser und Kraftstoffverdünnung. Diese Größen erklären den realen Lebenszyklus mechanistischer.

Kapitel 01 · 1.6 · Evidenzbasis

Mechanismus belegt, Parameter offen

Die Quellen stützen die Prozesskette. Die numerischen Simulatorparameter bleiben bewusst als didaktische Kalibrierung ausgewiesen.

Modul 02 · Kapitel 02

Schmierregime & Stribeck

Kapitel 01 erklärt, warum Kraftstoff die Ölviskosität verändern kann. Kapitel 02 beantwortet die nächste Frage: Was bedeutet eine niedrigere Viskosität für den tribologischen Kontakt? Entscheidend ist das Verhältnis aus Viskosität, Relativgeschwindigkeit und Last.

2.1 Schmierregime2.2 Stribeck-Parameter2.3 Interaktives Labor2.4 Fuel-Dilution-Shift2.5 Kontaktarten2.6 Evidenz & Grenzen

Kapitel 02 · 2.1 · Schmierregime

Wer trägt die Last?

Der Übergang ist kein Schalter. Mit wachsender Filmtrennung verschiebt sich die Last von Rauheitsspitzen der Oberflächen zunehmend in den Schmierfilm.

GRENZREIBUNGMISCHREIBUNGVOLLFILMLast überwiegend über Asperitäten / TribofilmeFilm + Oberflächen teilen die LastLast überwiegend im FlüssigkeitsfilmAdditivchemie und Oberflächenzustand dominierenbesonders sensitiv auf η, U und Lastviskose Reibung bleibt bestehen
01 · Boundary

Grenzreibung

Die Filmtrennung reicht nicht aus, um die Oberflächen vollständig zu separieren. Asperitätenkontakt, Grenzschichten und Anti-Wear-Additive werden entscheidend.

02 · Mixed

Mischreibung

Ein Teil der Last wird bereits vom hydrodynamischen beziehungsweise elastohydrodynamischen Film getragen, ein Teil weiterhin durch Oberflächenkontakte.

03 · Full film

Vollfilmschmierung

Die Oberflächen sind im idealisierten Zustand getrennt. Bei Gleitlagern dominiert Hydrodynamik; konzentrierte Kontakte können elastohydrodynamisch arbeiten.

Kapitel 02 · 2.2 · Stribeck-Parameter

Viskosität × Geschwindigkeit gegen Last

Der Stribeck-Gedanke bündelt Betriebsbedingungen in einem Verhältnis. Je größer der Parameter, desto günstiger ist – bei ansonsten gleicher Kontaktgeometrie – die Fähigkeit zum Filmaufbau.

Normiertes Lehrmodell
Ψ* = η* · U* / p*

η* steht für die relative dynamische Viskosität, U* für eine relative Gleit-/Mitnahmegeschwindigkeit und p* für eine relative Kontaktbelastung. Die Sterne markieren: Dies sind normierte Größen unseres Labors, keine universelle dimensionslose Kennzahl.

Cross-Reference Kapitel 01:

Fuel Dilution senkt typischerweise die Viskosität. Bei gleicher Geschwindigkeit und Last sinkt damit Ψ* – der Betriebspunkt wandert auf der Stribeck-Kurve nach links, also in Richtung Misch- beziehungsweise Grenzreibung.

Kapitel 02 · 2.3 · Interaktiver Prüfstand

Den Betriebspunkt verschieben

Das Labor zeigt relative Zusammenhänge, nicht den absoluten Reibwert eines konkreten Motors. Der Fuel-Dilution-Regler verschiebt nur die Viskositätsseite des Betriebspunkts.

Kontaktparameter

1,00
0,501,001,50
1,00
0,101,503,00
1,00
0,501,502,50
0,0 %
0 %5 %10 %

Der Viskositätsfaktor ist eine didaktische Stresskurve, an ein publiziertes 5W-30-Beispiel bei 40 °C angelehnt. Keine universelle Mischungsregel.

Stribeck-Schema

Relativer Reibungsindex

logarithmische Ψ*-Achse
ohne Fuel Dilutionmit Fuel Dilution
Kontaktinterpretation

Gleitlager

Kapitel 02 · 2.4–2.5 · Fuel-Shift & Kontaktarten

Dasselbe Öl, unterschiedliche Regime

Ein Motor besitzt nicht „ein“ Schmierregime. Lager, Ringzone, Nocken und Verzahnungen durchlaufen je nach Geometrie und Betriebszustand unterschiedliche Bereiche.

GLAITELEMENT

Gleitlager

Bei etablierter Rotation kann ein tragender hydrodynamischer Keil entstehen. Start, Stop und sehr niedrige Drehzahl reduzieren diese Reserve.

OSZILLIEREND

Ring / Laufbahn

Die Relativgeschwindigkeit ändert sich über den Hub. In Totpunktnähe sinkt sie stark; der Kontakt kann lokal von hydrodynamisch zu mixed/boundary wechseln.

KONZENTRIERT

Nocke / Follower

Hohe Flächenpressung und elastische Verformung machen EHL- und Mischregime relevant. Druck-Viskositäts-Effekte gehören hier zur realen Physik.

ROLLEN + GLEITEN

Verzahnung

Roll- und Gleitanteile wechseln entlang der Flanke. EHL-Film, Oberflächenrauheit und Additivchemie bestimmen die Reserve gegen Scuffing und Verschleiß.

Wichtig: Ein niedrigerer Reibwert ist nicht automatisch „besser“. Im Grenzbereich kann die Reibung durch Additivchemie niedrig erscheinen, obwohl die Filmtrennung und damit die Verschleißreserve geringer ist. Umgekehrt steigt im Vollfilm bei sehr hohem η·U/p der viskose Schleppanteil wieder an.

Kapitel 02 · 2.6 · Evidenz & Modellgrenzen

Kurve real, Zahlen normiert

Die Regime und der Einfluss von Viskosität, Geschwindigkeit und Last sind tribologische Grundlagen. Die Schwellen und Reibungsindizes des Labors sind dagegen bewusst normiert.

Modul 02 · Kapitel 03

Viskosität & Temperatur

Die Stribeck-Kurve aus Kapitel 02 verwendete eine normierte Viskosität. Hier wird daraus eine reale Materialgröße: kinematische Viskosität ν(T), dynamische Viskosität η(T), Temperaturkennwert VI und getrennte Prüfwelten für HTHS, CCS und Pumpability.

3.1 ν, η und VI3.2 Temperatur-Labor3.3 SAE-Klasse lesen3.4 HTHS · CCS · MRV3.5 Evidenz & Modellgrenzen

Kapitel 03 · 3.1 · Begriffe

Vier Größen. Vier verschiedene Aussagen.

„Viskosität“ ist im Motorölkontext kein einzelner Wert. Entscheidend ist, welche Größe bei welcher Temperatur und Scherrate gemeint ist.

Kinematisch

ν · mm²/s

ν = η / ρ

Fließwiderstand bezogen auf die Dichte. Typisch als ν40 und ν100 angegeben; diese beiden Punkte tragen die Temperaturkurve.

Dynamisch

η · mPa·s

η = ρ · ν

Direkter Scherwiderstand. Für die Umrechnung benötigt man die Dichte; sie ändert sich ebenfalls mit der Temperatur.

Viscosity Index

VI · dimensionslos

VI ≠ Viskosität

Beschreibt die relative Temperaturabhängigkeit aus ν40/ν100. Ein hoher VI bedeutet nicht automatisch „dickeres“ oder „besseres“ Öl.

High Shear

HTHS

150 °C · hohe γ̇

Eigene Hochtemperatur-Hochschermessung. Sie darf nicht einfach aus ν100 oder der SAE-Bezeichnung abgeleitet werden.

Kapitel 03 · 3.2 · Interaktives Temperatur-Labor

Dieselbe SAE-Klasse ist keine einzelne Kurve.

Die Presets sind repräsentative Lehrprofile, keine Produktdaten. Die ν(T)-Kurve wird aus ν40 und ν100 mit einer Walther-/ASTM-D341-artigen Beziehung aufgebaut.

Ölprofil

Keine Produktfreigabe und keine OEM-Spezifikation; nur didaktische Referenzpunkte.

100 °C
2085150 °C

Unterhalb ~20 °C wird die einfache Walther-Kurve bewusst nicht benutzt: Kaltstart-Rheologie wird separat über CCS/MRV behandelt.

63,0
10,8
0,850
Temperaturabhängigkeit

ν(T) · logarithmische y-Achse

20–150 °C · Walther-Modell
0W-205W-305W-40gewählte Temperatur
Modellgrenze: D341 beschreibt die kinematische Viskositäts-Temperatur-Beziehung aus bekannten Punkten in einem begrenzten Bereich. Es ersetzt weder CCS/MRV im Kaltbereich noch HTHS unter hoher Scherrate. Oberhalb 100 °C ist die Kurve hier eine begrenzte didaktische Extrapolation.

Kapitel 03 · 3.3 · SAE J300 lesen

5W-30 bedeutet nicht „5 bei kalt, 30 bei warm“.

Die beiden Teile einer Multigrade-Bezeichnung gehören zu verschiedenen Prüfwelten. Die Klasse ist ein rheologischer Korridor, keine vollständige Stoffbeschreibung.

5W

Winterteil

Definiert Kaltstart-/Pumpbarkeitsanforderungen bei festgelegten tiefen Prüftemperaturen. Das „W“ ist keine reale Einsatztemperatur.

CCS-Prüftemperatur−30 °C
CCS-Maximum6.600 mPa·s
MRV/Pumpability−35 °C

CCS ≠ Pumpability. Beides sind getrennte Tests.

30

Warmteil

Ordnet die kinematische Viskosität bei 100 °C in ein Fenster ein; zusätzlich existieren HTHS-Mindestanforderungen.

ν100-Fenster9,3–<12,5 mm²/s
HTHS-Minimum2,9 mPa·s
Preset-HTHS3,1 mPa·s

HTHS ist ein Messwert unter hoher Scherrate – nicht ν100 in anderer Einheit.

Kapitel 03 · 3.4 · Spezialprüfungen

Drei Tests beantworten drei andere Fragen.

Gerade im Automotive-Bereich entstehen Fehlinterpretationen, wenn CCS, MRV und HTHS als austauschbare „Viskositätswerte“ gelesen werden.

ASTM D4683

HTHS

150 °C · ~10⁶ s⁻¹

Hochtemperatur-Hochscherviskosität. Relevant für hydrodynamische Filmreserve unter hoch belasteten Betriebsbedingungen.

Eigener Messzustand; aus ν100 nicht belastbar berechenbar.
ASTM D5293

CCS

Cold Cranking

Scheinbare Viskosität bei tiefen Temperaturen und hoher Scherrate; korreliert mit der Fähigkeit des Anlassers, den Motor durchzudrehen.

ASTM weist ausdrücklich darauf hin: nicht zur Vorhersage der Pumpbarkeit verwenden.
ASTM D4684

MRV / Pumpability

Low-T · Low-Shear

Erfasst Fließ-/Pumpbarkeitsprobleme nach kontrollierter Abkühlung, einschließlich Yield-Stress-Effekten und Gelbildung.

Damit wird eine andere Kaltstartgrenze geprüft als mit CCS.
Cross-Reference Kapitel 02

Die Stribeck-Größe η·U/p benötigt für einen realen Kontakt die lokal wirksame Viskosität. ν100, HTHS und CCS sind daher keine beliebig austauschbaren Inputs: Temperatur, Scherrate, Druck und Kontaktart bestimmen, welche Rheologie relevant ist.

Kapitel 03 · 3.5 · Evidenz & Modellgrenzen

Klassen normiert, Kurven modelliert.

Die Standardprüfungen sind reale definierte Messverfahren. Die drei Ölprofile und deren ν40/ν100/VI/HTHS-Werte sind dagegen bewusst repräsentative Lehrwerte.

Modul 02 · Kapitel 04

Ölalterung, Kontamination & Wear

Ein Motoröl besitzt nicht nur einen momentanen Zustand, sondern eine Historie. Flüchtige Kontaminanten können teilweise wieder ausgetragen werden; Oxidationsprodukte, Additivverbrauch und Verschleißhistorie werden dadurch nicht rückgängig gemacht. Kapitel 04 trennt deshalb reversible Stocks von akkumulierten Zuständen.

4.1 State vs. History4.2 Alterungskanäle4.3 Oil-Condition-Labor4.4 Used Oil Analysis4.5 Evidenz & Grenzen

Kapitel 04 · 4.1–4.2 · Zustandslogik

Nicht alles im Öl hat dieselbe Zeitrichtung.

Für Diagnose und Modellierung ist entscheidend, ob eine Größe kurzfristig ausgetragen werden kann, über Betriebsstunden akkumuliert oder vor allem Maschinenverschleiß abbildet.

STATE · TEILWEISE REVERSIBEL

Fuel & Wasser

Kraftstoff und Wasser sind aktuelle Bestände. Temperatur, Verdampfung und Kurbelgehäuseentlüftung können sie reduzieren. Ein später niedriger Wert löscht aber ihre frühere Wirkung nicht.

dm/dt = Eintrag − Austrag
HISTORY · AKKUMULATIV

Oxidation, Nitration, Additive

Thermische und chemische Belastung erzeugt Abbauprodukte; Antioxidantien, Detergentien und Antiwear-Additive werden verbraucht. Warmfahren regeneriert diesen chemischen Zustand nicht.

dHchem/dt ≥ 0 · Additivreserve ↓
MACHINE · WEAR SIGNAL

Ruß & Wear Debris

Ruß belastet Rheologie und Dispersion. Verschleißmetalle bzw. Partikel sind dagegen ein Signal der Maschine; ihre Interpretation benötigt Baseline, Trend und Kenntnis der Messmethode.

Debris(t) ≠ Wear-Rate(t) ohne Kontext

Kapitel 04 · 4.3 · Interaktives Oil-Condition-Labor

Zustand sinkt. Historie bleibt.

Das Lehrmodell erzeugt keinen realen Ölwechselindikator. Es visualisiert nur die Kopplung zwischen thermischer Exposition, Kontamination, Additivreserve und Wear-Tendenz.

Expositionsprofil

80 h
0100200 h

Modellierte kumulierte Warm-/Heißexposition; kein Serviceintervall.

1,0×
0,5×1,25×2,0×
60 %
050100 %
3,0 %
048 %
1,0 %
024 %

Didaktischer Massenanteil; reale Relevanz ist motor- und ölabhängig.

0,10 %
00,250,50 %
55 %
050100 %
Modellgrenze: Alle Alterungs- und Wear-Indizes sind normierte Lehrgrößen. Sie sind weder ASTM-Einheiten noch OEM-Grenzwerte und dürfen nicht als Diagnose oder Ölwechselintervall gelesen werden.
Mehrzustandsmodell

Oil Condition Vector

0…1 · normiert
Die Balken zeigen relative Exposition, keine Laborwerte. Für reale Used-Oil-Analysen müssen Trends und Messverfahren getrennt interpretiert werden.
Gedankenexperiment · Warmfahrt / Purge

Transienter Zustand kann fallen – History nicht.

Die Purge-Faktoren sind rein didaktisch. Sie demonstrieren nur die Zustandslogik: Fuel und Wasser können abnehmen; Oxidation, Nitration, Additivverbrauch und bereits erzeugtes Wear Debris werden dadurch nicht zurückgesetzt.

Kapitel 04 · 4.4 · Used Oil Analysis

Ein Ölwert ist noch keine Diagnose.

Eine belastbare Zustandsanalyse kombiniert chemische Alterung, Kontaminanten, Rheologie und Element-/Partikeldaten. Besonders Wear-Metalle werden erst im Trend gegenüber einer geeigneten Baseline aussagekräftig.

01 · TREND

Baseline vor Grenzwert

Motor, Öl, Nachfüllmenge, Laufzeit und Laborverfahren beeinflussen die Werte. Der Verlauf desselben Systems ist häufig informativer als ein isolierter Einzelwert.

02 · ORTHOGONALE TESTS

Mehrere Messkanäle

FTIR sieht Molekülgruppen und Kontamination; Elementanalyse sieht Metalle; Viskosität, TAN/TBN und Wasser liefern weitere unabhängige Zustandsgrößen.

03 · PARTIKELGRÖSSE

Messmethode begrenzt Sicht

Spektrometrische Verfahren können große Wear-Partikel anders erfassen als feine suspendierte Partikel. „Wenig ppm“ bedeutet deshalb nicht automatisch „kein Verschleiß“.

KanalBeobachtetNutzenNicht allein ableiten
FTIR
E2412 / D7414 / D7624
Oxidation, Nitration, Additiv-/KontaminationssignaturenTrend der chemischen Alterung und ausgewählter KontaminantenKeine Wear-Metalle; keine direkte Viskosität oder universelle Restlebensdauer
ICP-AES
ASTM D5185
Additive, Wear-Metalle, KontaminationselementeSchnelles Element-Screening; Trend auf abnormalen WearEinzelwert ohne Baseline; große Partikel können methodisch unterrepräsentiert sein
RDE-AES
ASTM D6595
Wear Metals & KontaminantenMaschinenzustand und Wear-TrendKeine vollständige chemische Ölalterung
Viskosität / TAN / TBNRheologie, Säure-/BasenreserveNettoeffekt aus Verdünnung, Oxidation, Ruß und AdditivzustandUrsache der Änderung ohne weitere Tests

Kapitel 04 · 4.5 · Evidenz & Modellgrenzen

Trend statt universeller Lebensdauerzahl.

Die Quellen stützen die beobachtbaren Alterungs- und Kontaminationskanäle. Das interaktive Mehrzustandsmodell selbst bleibt ausdrücklich eine didaktische Abstraktion.

Modul 02 · Kapitel 05

Ölversorgung & Systemgrenzen

Ein geeigneter Schmierstoff schützt nur, wenn er die tribologischen Kontakte in ausreichender Menge und in kontrolliertem Zustand erreicht. Kapitel 05 schließt deshalb das Modul mit der hydraulischen Systemebene: Ansaugung, Pumpe, Druckregelung, Filterung, Kühlung, Lagerstellen, Rücklauf und Ölmanagement unter g-Last.

5.1 Versorgungskette5.2 Flow, Druck & Regelung5.3 Supply-Labor5.4 Aeration / Cavitation5.5 Wet- vs. Dry-Sump5.6 Evidenz & Grenzen

Kapitel 05 · 5.1–5.2 · Hydraulische Kette

Die Pumpe fördert. Der Widerstand erzeugt Druck.

Bei der typischen positiven Verdrängerpumpe folgt der theoretische Volumenstrom zunächst aus Verdrängungsvolumen und Pumpendrehzahl. Der gemessene Öldruck entsteht erst durch die Widerstände des nachgeschalteten Systems und wird durch Druckregelung begrenzt.

Sumpf / TankÖlpumpeFilterKühlerGalerien / Lager /Jets / AktorenReservoir + PickupV̇ ≈ Vd · nΔp → BypassT / Thermostatp, V̇, Ölzustanddruckloser Rücklauf → Entgasung / ReservoirDruckregelung / Relief → Rückführung
Schematische Systemdarstellung. Reihenfolge und Integration von Filter, Kühler, Thermostat, Bypass und Rückführung unterscheiden sich je nach Motor. Entscheidend ist die Funktionsrolle, nicht eine universelle Bauteilreihenfolge.
FLOW

Förderung

Eine positive Verdrängerpumpe liefert idealisiert ein Volumen pro Umdrehung. Reale Fördermenge wird durch Füllgrad, Leckage, Ölviskosität, Drehzahl und Gasanteil beeinflusst.

V̇th = Vd · nPumpe
PRESSURE

Systemreaktion

Druck ist keine zweite Fördergröße. Er entsteht, wenn der geförderte Volumenstrom auf Strömungswiderstände trifft. Temperatur, Spalte und Viskosität verändern diese Widerstände.

Δp = f(V̇, η, Geometrie)
REGULATION

Zwei Bypässe, zwei Rollen

Das Druckregelventil begrenzt den Systemdruck durch Rückführung. Ein Filter-Bypass reagiert dagegen auf zu hohen Differenzdruck über dem Filter und schützt die Versorgung vor einer zu großen Filterrestriktion.

pSystem ≠ ΔpFilter

Kapitel 05 · 5.3 · Interaktives Supply-Labor

Volumenstrom, Druck und Versorgungsmarge.

Das Lehrmodell koppelt eine positive Verdrängerpumpe mit einem vereinfachten Widerstandsnetz. Es zeigt qualitative Zusammenhänge – keine fahrzeugspezifische Öldruckkennlinie.

Systemparameter

4.000 min⁻¹
8004.4008.000 min⁻¹
12 cm³/U
61524 cm³/U
0,75×
0,50×0,85×1,20×
100 °C
2075130 °C
3 %
0815 %
0,8 g
01,02,0 g

Didaktischer Stressparameter für Pickup-Bedeckung; Richtung, Dauer und Ölwannen-Geometrie werden nicht separat modelliert.

1,0×
0,6×1,1×1,6×
5,5 bar
35,58 bar
Lehrmodell: Pumpenkennlinie, Netzwerkwiderstand und g-Last-Faktoren sind bewusst generisch. Keine hier angezeigte Druck- oder Flow-Zahl ist ein Sollwert für ein konkretes Fahrzeug.
Systemzustand

Supply Path

nominal
Die Balken zerlegen drei unterschiedliche Risiken: Ansaugverfügbarkeit, Pumpenfüllung und downstream Versorgungsmarge. Ein hoher Druckwert allein garantiert keinen ausreichenden Ölstrom an jeder Lagerstelle.

Kapitel 05 · 5.4–5.5 · Mehrphasenströmung & Motorsport

Luft im Öl und Öl am falschen Ort sind zwei verschiedene Probleme.

Aeration beschreibt mitgeführte Gasblasen im Öl. Cavitation entsteht durch lokal sehr niedrigen Druck und Blasen-/Hohlraumbildung. Unter g-Last kommt zusätzlich die geometrische Frage hinzu, ob der Pickup überhaupt kontinuierlich mit Öl versorgt wird.

WET-SUMP

Reservoir im Kurbelgehäuse

Ein Pickup saugt aus der Ölwanne. Baffles, Trap Doors und Windage Control können die Ölverfügbarkeit unter Fahrzeugbewegung verbessern; bei ungünstiger Kombination aus Geometrie, Ölstand, Dauer und g-Richtung kann der Pickup dennoch Luft ziehen.

  • einfach, kompakt
  • Pickup-Bedeckung kritisch
  • Windage / Rücklauf beeinflussen Reservoir
DRY-SUMP

Scavenge + externer Tank

Mehrere Scavenge-Stufen evakuieren Öl/Luft aus dem Kurbelgehäuse in einen externen Tank; eine separate Druckstufe versorgt den Motor. Das entkoppelt den Druckpumpeneinlass stärker von der unmittelbaren Ölbewegung in der Wanne.

  • stabilere Versorgung unter g-Last
  • Windage-/Packaging-Vorteile möglich
  • mehr Komponenten und Leitungen
AERATION / CAVITATION

Kompressible Phase im Versorgungspfad

Mitgeführte Luft verändert Füllgrad und effektive Fördercharakteristik. Kavitation und Air Binding können besonders auf der Ansaugseite auftreten, wenn Öl nicht schnell genug zum Pickup beziehungsweise durch Screen und Inlet nachströmt.

  • Aeration ≠ Cavitation
  • Pumpenfüllung kann sinken
  • Hydraulische Aktoren/Lager reagieren empfindlich

Filter-Bypass ≠ Druckregelventil

Der Filter-Bypass begrenzt den Differenzdruck über dem Filterelement. Das Druckregel-/Reliefventil der Pumpe begrenzt dagegen den Systemdruck beziehungsweise führt überschüssigen Förderstrom zurück. Gleiche Bezeichnung „Bypass“ bedeutet nicht gleiche Funktion.

Öldruck ist eine Kontextgröße

Ein Druckwert ist nur zusammen mit Drehzahl, Öltemperatur, Viskosität, Pumpen-/Regelstrategie und Motorgeometrie interpretierbar. Niedriger heißer Leerlaufdruck und hoher kalter Druck sind ohne diese Randbedingungen keine eigenständigen Diagnosen.

Kapitel 05 · 5.6 · Evidenz & Modellgrenzen

Systemrollen real, Kennlinie didaktisch.

Die Quellen stützen Aufbau, Aeration-/Pumpability-Mechanismen und Dry-Sump-Architektur. Die numerische Kennlinie im Supply-Labor bleibt ausdrücklich ein generisches Lehrmodell.

Modul 02 · Synthese

Vom transienten Stoffeintrag zum vollständigen Schmierstoffsystem.

Modul 02 ist jetzt geschlossen: Stoffeintrag und Thermik, Schmierregime, Rheologie, Alterung/Wear und hydraulische Versorgung greifen als fünf Ebenen ineinander. Keine davon erklärt den Motorzustand allein.

01 · AKTIV

Fuel Dilution

Stock/Flow: Eintrag, Austrag, Temperatur und Fahrhistorie.

02 · AKTIV

Schmierregime

Tribologie: Stribeck, Filmaufbau und Übergang zur Misch-/Grenzreibung.

03 · AKTIV

Viskosität

Material: Temperatur, Scherrate und rheologische Reserve.

04 · AKTIV

Alterung & Wear

Historie: chemische Degradation, Kontamination und Maschinensignale.

05 · AKTIV

Ölversorgung

System: Förderung, Druckregelung, Filterung, Kühlung, Aeration und g-Last.

Gemeinsame Sprache

State, Flow, Rheology, History, Supply

Der Schmierstoff wird nun als dynamischer Teil eines gekoppelten Maschinensystems beschrieben: Ein aktueller Stoffzustand verändert die Rheologie; die Rheologie verändert das Schmierregime; thermische und chemische Historie verändert den Werkstoffzustand; und selbst ein geeignetes Öl schützt nur, wenn das Versorgungssystem Volumenstrom und Stabilität bis zur Lagerstelle aufrechterhält.